Alles Mann, oder was?
Brauchen Frauen eine andere Medizin?
So sind weltweit beispielsweise
wesentlich mehr Männer als Frauen von Tumorerkrankungen betroffen. Für den
Darmkrebs in Europa zeigt sich dies bei den altersstandardisierten
Erkrankungsraten. Sie sind bei Frauen niedriger als bei Männern und im
Unterschied zu den Männern leicht rückläufig. Der geschlechtsspezifische
Unterschied wird auch bei Lebererkrankungen deutlich: Männer sterben fast
doppelt so oft an Leberzirrhose wie Frauen.
Für Frau Dr. Hermans, die im bng eine Fachgruppe für Frauen in der Viszeralmedizin initiiert hat, stehen in der Gastroenterologie zwei Konsequenzen im Fokus. „Zum einen unterscheidet sich das Selbstbild von Frauen und Männern“, sagt sie. „Das bedeutet zum Beispiel, dass sie im Bereich der Prävention auf verschiedene Weise angesprochen werden müssen, wenn sie erfolgreich motiviert werden sollen.“ Dass solche geschlechtsspezifischen Strategien aufgehen, zeigt der Motivationsschub, den die Kampagnen unter dem Motto „1000 mutige Männer“ im Bereich der Darmkrebsprävention ausgelöst haben.
„Zum anderen“, so Dr. Hermans weiter, „sind vorwiegend Männer der Maßstab für die Wirksamkeit von Therapien. Abweichende Symptome oder Medikamentenwirkungen bei Frauen werden immer noch eher als atypisch eingestuft, statt sie als medizinisch begründete Unterschiede zu verstehen.“ Deshalb plädiert die Gastroenterologin dafür, dass in der Versorgungsforschung die Sensibilität für den Geschlechterunterschied noch stärker zum Tragen kommt, als dies bei den derzeit laufenden Studien bereits der Fall ist.






